EVANGELISCHER PFARRSPRENGEL GLÖWEN-SCHÖNHAGEN
Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob

Pfarrsprengel

Beitrag zur verabschiedeten Mindestgemeindegliederzahl der Landessynode

Liebe Gemeindeglieder des Sprengels Glöwen-Schönhagen. Die Landessynode hat am 13.11.2021 die Mindestmitgliederzahl 300 von Gemeinden festgeschrieben. Damit müssen innerhalb der EKBO ca. 650 Gemeinden in nächster Zeit mit anderen Gemeinden fusionieren. Es soll dann ein neuer Name für die entstehende Gemeinde gefunden werden, die Siegel unserer Gemeinden verlieren ihre Gültigkeit, und die Ländereien und anderen Werte gehen in die Körperschaft der neuen, größeren Gemeinde ein. Ein Gesamtgemeindekirchenrat entscheidet dann über die Belange von zig Ortskirchen, Gebäude, Ländereien, Friedhöfe etc. In den Orten soll ein Ortskirchenrat die inhaltliche Arbeit der Gemeinde verantworten, wobei die Hälfte der Mitglieder des Ortskirchenrates keine Kirchenmitglieder mehr sein müssen.

Es wird von vielen befürchtet, dass die Bewältigung der Aufgaben in einem GKR für viele Gemeinden durch das Ehrenamt nicht mehr leistbar sein wird. Durch den Wegfall von Kompetenzen und Befugnissen in den Ortskirchen wird sich wohl kaum noch jemand finden lassen, der Verantwortung übernehmen will. Über 100 Gemeinden hatten sich mit Anträgen an die Landessynode gewandt und versucht, die Festschreibung von Mindestgrößen zur verhindern. Kritisiert wurde der Zwangskontext und der zeitliche Rahmen, in welchem das Gesetz „diskutiert“ und beschlossen wurde.

 Viele Gemeinden haben sich in den letzten Jahren bereits freiwillig zusammengeschlossen. Hier gab es inhaltliche und strukturelle Schnittmengen, und es wurde sich beim Zusammenwachsen die erforderliche Zeit genommen. So soll es sein! Nur so kann es funktionieren! Beispiele aus bereits im Zwangskontext fusionierten Gemeinden im Bereich des Kirchenkreises Wittstock-Ruppin zeigen im Ergebnis auch zum Teil ein erhebliches Schwinden ehrenamtlichen Engagements in betroffenen Ortsteilen. Der Verlust von Identität und Verantwortung für die Kirche (auch für das Gebäude und die Ländereien) sind sicherlich als Hauptursache dafür zu sehen.  Parallelen gibt es auch zur kommunalen Gemeindegebietsreform. Gemeindevertreter sind mit der Fülle an Themen zum Teil überfordert. In den Ortsteilen fällt es immer schwerer, Ortsvorsteher und Ortsbeiräte zu finden. Ehrenamt ist fremdbestimmt und hat nur wenig Entscheidungsbefugnis.

 Die Gefahr ist groß, dass durch den Wegfall von Angeboten im Dorf das Gemeinschaftserlebnisse rarer werden, die soziale Isolation Einzelner zunimmt und extreme Strömungen diese Leerräume versuchen, für sich zu nutzen.

 Die Initiative „Kirche im Dorf lassen“ prüft Möglichkeiten, wie Gemeinden mit der aktuellen Situation umgehen können. Die juristische Bewertung des Synodenbeschlusses ist eine davon.

 Wie geht es weiter? Der überwiegende Teil der Gemeinden unseres Sprengels hat sich der Initiative „Kirche im Dorf lassen“ angeschlossen und wird sich nach aktuellem Stand nicht in eine verordnete Fusion mit anderen Gemeinden begeben. Diese Position wird sicherlich nicht von allen geteilt und sollte mit den Gliedern der jeweiligen Gemeinden thematisiert werden. Konsequenzen, Alternativen und ggf. auch Kompromisse sollten in die Überlegungen einfließen. Wichtig erscheint es m.E., dass wir im Für und Wider nicht auseinandergehen, sondern uns die Positionen des Anderen anhören und letztendlich nach gemeinsamen Lösungen suchen.

 Anregungen und Gedanken unserer Gemeindeglieder wären wünschenswert und könnten in einem der nächsten Gemeindebriefe, auf Wunsch auch anonym, veröffentlicht werden.

Hierfür können Sie meine Mail falila@gmx.de nutzen.

 Thomas Kern