EVANGELISCHER PFARRSPRENGEL GLÖWEN-SCHÖNHAGEN
Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob

Grußwort

 
 Liebe Leserinnen und Leser des Gemeindebriefes!

Manchmal ist sie nur ein zartes Pflänzchen. Ein anderes Mal ein starker Anker.
Mal ist sie der letzte Strohhalm, dann wieder ein „Prinzip“ (Ernst Bloch), auf dem eine ganze Weltanschauung gründet. Sie stirbt auf jeden Fall zuletzt, weil ohne sie alles düster und
grau und sinnlos wäre. Ich spreche von der Hoffnung.
Was macht die Hoffnung so besonders?
Ich denke, dass sie die drei Zeitzonen VERGANGENHEIT – GEGENWART – ZUKUNFT miteinander verbindet. Zunächst: Die Hoffnung wird aus der Erfahrung des Vergangenen genährt.
Weil ich tatsächlich schon erlebt habe, dass eine schier ausweglose Situation trotz allem letzten Endes gut ausging, wage ich auch heute zu hoffen.
Kommen wir nun zur Gegenwart. Weil ich nicht im luftleeren Raum schwebe, sondern im Hier und Jetzt atme, esse, rede, schweige, liebe, lebe usw. Die Hoffnung lässt mich heute einen Schritt vor den anderen setzen. Sie macht es möglich, Zukunftsbilder zu malen.
So ein Bild finden wir auf der Vorderseite unseres Gemeindebriefes. Es kann uns verdeutlichen: Zigmal haben wir erlebt, dass nach dem Winter das Grün und all die anderen Farben unsere Welt verwandeln und die Augen erfreuen. Das lässt uns schon heute in Vorerwartung leben. Und dann wird es tatsächlich eines Tages sein, dass die Knospen aufspringen und zu blühen beginnen.  Auch unser Glaube ist durchzogen von dem „Prinzip Hoffnung“. Gott hat uns das Leben geschenkt (Vergangenheit). Er ist für uns da und verlässt uns auch in den Durststrecken und im „finstern Tal“ nicht (Gegenwart).
Wir erleiden zwar immer wieder unsere eigene Passionszeit. Aber dann bricht der Ostermorgen an, der achte Tag der Schöpfung, an dem der Tod besiegt wird (Zukunft).
Die Auferstehung Jesu Christi gibt unserer Hoffnung einen festen Grund. Bis dahin: Lasst uns gemeinsam von unserer Hoffnung erzählen, am Gartenzaun oder in den Gottesdiensten, am Grab und am Taufbecken, vor dem Altar und in unserem Singen und Beten. Sie wird größer, wenn man sie
teilt. Lasst uns die Geschichten der Hoffnung nicht verschweigen, lasst uns Hoffnungslieder und -gedichte zuraunen, so wie dieses:

INS HOFFNUNGSLAND
DIE SCHRITTE SETZEN
INS HOFFNUNGSLAND
WO EINER DIE KARGEN STREIFEN
MIT LIEBE BEPFLANZT
UND DIE GRENZEN SPRENGT
DURCH LEBENDIGES WORT.
WO AUS DEN TRÄNEN
BLÜTEN SPRIEßEN
UND DER SCHMERZ
SICH WANDELT
ZUM FREUDENRUF.
WO EIN HAUS GEBAUT IST
AUS LICHT, IN DEM DIE TÜREN
WEIT OFFEN STEHEN UND ER
UNS UMKLEIDET MIT LEBEN.

(Tina Willms, aus: Einer sei an deiner Seite, Eschbach 2014)
Herzlich grüße ich Sie und euch Ihre/ eure Evelyn Frenzel