EVANGELISCHER PFARRSPRENGEL GLÖWEN-SCHÖNHAGEN
Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob

Grußwort

Liebe Leserinnen und Leser des Gemeindebriefes!
Der Jubilar sitzt im Kreise seiner Familie und Freunde am reichgedeckten Tisch. Torten und Kuchen sind in überbordender Fülle auf der Tafel aufgebaut.
Kerzen brennen, die kleinen Enkel und Urenkel lachen. Die Eltern schwatzen. Gleich geht es los. Da kommt noch der Pfarrer zum Gratulieren. Stühle werden gerückt. Er nimmt Platz an der Seite des treuen Gemeindeglieds und ehemaligen Kirchenältesten.
Nun ist die Tafel eröffnet. Kaffee wird eingeschenkt. Da zieht der alte Mann eine Scheibe trockenen Brotes aus der Tasche, legt sie vor sich auf den Teller, bricht ein Stück ab und beginnt zu kauen.
Die Familie weiß um die Marotte des Alten. Aber der Pfarrer fragt nach, was das
bedeutet – angesichts der süßen Köstlichkeiten. Da beginnt er zu erzählen: Als er damals in
russischer Kriegsgefangenschaft und der Hunger groß war, da schwor er sich, sollte er jemals wieder nach Hause kommen und sollte er jemals wieder satt zu essen haben, werde er nie den Wert einer trockenen Scheibe Brot vergessen. So hielt er es sein Leben lang, auch als die Not längst vorbei war. Jeden Tag aß er eine trockne Scheibe Brot.
Der alte Mann ist inzwischen lange tot. Was hätte er wohl gesagt zu unserem Wohlstand und zu folgenden Zahlen: In Deutschland werden jedes Jahr 15 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen.
Das entspricht einem Wert von 20 Milliarden Euro oder dem Jahresumsatz von ALDI.
Schlecht geordert? Falsch eingekauft?
Jesus sagte einmal trotz schmerzenden Hungers, dass der Mensch nicht allein vom Brot
lebt, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund geht.
Ein 
mutiges Wort, dass das gängige Streben nach Sattsein in Frage stellt. Brot ist nötig und gut. Das weiß Jesus. Aber Brot allein lässt leicht den vergessen, der es schenkt.
Daher lädt uns der alte Mann zum Nachdenken ein: wie dankbar 
man über eine trockene Scheibe Brot sein kann.

Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Evelyn Frenzel