EVANGELISCHER PFARRSPRENGEL GLÖWEN-SCHÖNHAGEN
Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob

Grußwort

Wir pflügen und wir streuen“

dieses Lied kennen wir alle vom Erntedankfest. Matthias Claudius wurde 1740 in Reinfeld in Holstein geboren. Er liebte die Natur und soll einmal gesagt haben, dass er sich über eine gelbe Rose oder einen roten Apfel mehr freuen könne als über ein Baumwollhemd.
Zu dieser 
Zeit lebte er gerade in Wandsbeck bei Hamburg und arbeitete als Journalist bei der dortigen Zeitung, dem Wandsbecker Boten.
Das kleine Gutsdorf Wandsbeck hatte sich in den Jahren um 1770 rasant entwickelt. Dem örtlichen Gutsherrn war es gelungen, Handwerksbetriebe, Mühlen und Brauereien anzusiedeln.
So gab es beispielsweise einen Betrieb, der Baumwolle verarbeitete und 1.500 Arbeitern Lohn und Brot gab. Viele Menschen zogen nach Wandsbeck, auch Matthias Claudius war 1771 hierhin gekommen.
Ein 
Jahr später heiratete er die damals siebzehnjährige Anna Rebekka Behn. Die beiden bekamen zwölf Kinder, von denen das erste kurz nach der Geburt starb. Matthias Claudius liebte
seine Kinder sehr, sie standen im Mittelpunkt seines Lebens. Mit ihnen und für sie feierte er zahllose Feste.
Und ihm war wichtig, seinen Kindern die Liebe zur Natur und einen festen Glauben weiterzugeben. Die meisten Wandsbeckerinnen und Wandsbecker waren stolz auf ihren
Ort, Matthias Claudius beobachtete den wirtschaftlichen Aufschwung in Wandsbeck eher skeptisch und warnte immer wieder, wie wir heute sagen würden, vor der Entfremdung
der Menschen von der Natur.
Durch den Platz, den das Gewerbe in Wandsbeck einnahm, musste er nun größere Spaziergänge mit seinen Kindern unternehmen, wenn er ihre Sinne für Gottes Schöpfung
öffnen 
wollte. Er lehrte sie, Achtung und Ehrfurcht vor dem Ackerboden zu haben.
Sie lernten die Namen der 
heimischen Pflanzen- und Tierarten.
Und als die Familie bei einem ihrer Ausflüge im zeitigen Frühjahr einen Bauern das Feld pflügen sah, zeigte Matthias Claudius seinen Kindern, wie das Korn in die Erde gelegt wird
und daraus Halme keimen bis hin zur Frucht, die im Herbst geerntet wird.
Dabei kam ihm der Gedanke, Text und Melodie eines alten Bauernlieds neu zu gestalten.
Die 
ursprünglich sechzehn kurzen Strophen beschreiben ein fi ktives Erntedankfest auf dem Land. Die Melodie, wie wir sie heute singen, geht auf Johann Abraham Peter Schulz zurück, der sie im Jahr 1800 in Hannover für Schulkinder veröffentlichte. Mit „Wir pflügen und wir streuen“ ist Matthias Claudius ein Werk gelungen, das bis heute sehr bekannt und beliebt ist, obwohl
es nur einmal im Jahr vorkommt.
Offensichtlich hat er darin das getroff en, was uns Menschen für alle Zeiten mit der Erde verbindet, mit dem, was wir in Händen halten und mit dem, was außerhalb unseres
Könnens liegt.
Wachstum und Gedeihen liegen in Gottes Hand. Und doch sind wir Mitschöpferinnen und Mitschöpfer – gerade dann, wenn es darum geht, die Erde als Lebensraum zu erhalten.