EVANGELISCHER PFARRSPRENGEL GLÖWEN-SCHÖNHAGEN
Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob

Grußwort

Monatsspruch Oktober 2020:
Suchet der Stadt Bestes
und betet für sie zum HERRN. (Jeremia 29,7)

 Liebe Leserinnen und Leser des Gemeindebriefes!

Kann nicht alles einfach wieder normal sein? So wie früher?
Ich sehe, wie die Kinder in dieser Sommerhitze brav ihre Masken aufsetzen, bevor sie in den Schulbus
steigen. Ich denke an die Liebespaare, die sich in diesem Sommer eigentlich das Ja-Wort geben wollten, aber ihr Fest verschieben mussten. Ich weiß von Seniorinnen und Senioren in den Heimen, die unter den Besuchsbeschränkungen leiden.
Wir wünschen uns Normalität zurück.
Alles soll so sein wie früher. Wer könnte diesen Wunsch nicht teilen?
Kann nicht alles einfach wieder normal sein? Das fragten sich auch die Kriegsgefangenen im babylonischen Exil im 6. Jahrhundert vor Christus. Sie wurden als Beamte oder Handwerker
weggeschleppt und mussten sich nun in einer neuen Umgebung, in einer neuen Kultur und Sprache
zurechtfinden. Alles war anders – keine Normalität. Viele weigerten sich hartnäckig, die Situation anzuerkennen und sich mit dem Neuen zu arrangieren.
Als der Prophet Jeremia von deren Unglück hört, schreibt er einen Brief. Und er bittet die Verschleppten, sich zu integrieren: „Ihr wisst nicht, wann und ob ihr wieder in die Heimat zurückkehren
dürft. Also lernt die Sprache, werdet aktiv, baut euch Häuser und legt Gärten an. Sucht Männer
für eure Töchter und Frauen für eure Söhne. Gründet Familien. – Nur in einem sollt ihr nicht wanken, nämlich an dem Glauben an unseren Gott. Betet weiterhin zu unserem Schöpfer.
Es gibt keinen Platz auf der ganzen Erde, wo er euch nicht erhört, ob Babylon oder Jerusalem.“
So schrieb Jeremia vor langer Zeit.
Das Verharren in dem Wunsch nach der guten alten Zeit ist zwar verständlich, führt aber letztlich in die Isolation und in eine Art Sterben. Denn so wie früher wird es niemals wieder sein.
Wir können Jeremia dankbar sein für seine klaren Worte. Und zugleich öffnet er unseren Sinn in Richtung Zukunft.            Was würde er heute an uns schreiben?
Vielleicht dies: „Tragt durch verantwortlichen Umgang dazu bei, dass das Infektionsgeschehen abgebremst wird. Verliert nicht die Schwachen und die Risikogruppen aus dem Blick, wenn ihr – zurecht – auf eure Freiheitsrechte pocht. Schaut, wo ihr in der Nachbarschaft für andere da
sein könnt, nicht nur in der Pandemie. Es gibt so viele Möglichkeiten: beim Einkaufen helfen, telefonieren, ein freundliches Wort über den Gartenzaun... Seid immer darauf bedacht,
das Gemeinwohl zu fördern. --- Und vor allem: betet für euer Dorf, für alle Menschen, die hier ihr Zuhause haben. Zeigt Gott damit, dass euch an dem anderen etwas liegt.“

Ihre Pfarrerin Evelyn Frenzel