EVANGELISCHER PFARRSPRENGEL GLÖWEN-SCHÖNHAGEN
Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob

Grußwort

 Das Pfingstfest

  Von allen christlichen Festen entzieht sich das Pfingstfest - es fällt in diesem Jahr auf den 9. /10. Juni
- einer schnellen und auch „weltlichen“ Umdeutung in unserer Gesellschaft.
Im Zuge dieser Umdeutung ist bereits das Weihnachtsfest, wenn es überhaupt noch gefeiert wird
(Stichwörter wie „Weihnachten unter Palmen“ oder „Lichterfest“) auch in unserem Land das „Fest der Liebe“,
der Familie und des Schenkens schlechthin geworden, die obligatorischen Süßigkeiten sind beinahe schon
gleich nach den Sommerferien in den Geschäften zu erhalten. Dass damit die Adventszeit als ursprüngliche
Zeit der Besinnung, ja des Verzichts verdrängt wird, liegt auf der Hand, von der Erinnerung an die Geburt
Jesu, des Sohnes Gottes einmal ganz abgesehen.
Das Osterfest, an dem die christlichen Kirchen weltweit die Auferstehung Jesu Christi feiern, wird inzwischen mehr oder weniger als Frühlingsfest begangen, wobei die davor liegende Passionszeit als Zeit der Erinnerung an das Leiden und Sterben Jesu auch in kirchlichen Gruppen und Kreisen nur noch am Rande erscheint.
Der Buß- und Bettag schließlich ist (nicht als kirchlicher, wohl aber) als gesetzlicher Feiertag abgeschafft
und damit aus dem Blick der Öffentlichkeit vollends verschwunden.
Bliebe noch als großes kirchliches Fest das Erntedankfest. Jedoch wird man auch hier sagen müssen, dass im Zuge weltweiter Agrarexporte und -importe ( alles Obst und Gemüse ist über das ganze Jahr zu erhalten) von einem wirklichen Fest und Dank für die wieder geglückte, ja im eigentlichen Sinn von Gott geschenkte
Ernte zur Herbstzeit nicht mehr die Rede ist, da ja alles zu jeder Jahreszeit für Geld zu haben und machbar ist. Erntedank spielt außerhalb der Kirche praktisch keine Rolle mehr.
Vielleicht gibt es hier schon so etwas wie eine Gegenbewegung, die Grenzen des Machbaren und des Wachstums werden erkannt, gentechnisch verändernde Pflanzen und Tiere lassen uns aufschrecken …
Wie aber sieht es nun mit dem Pfingstfest und seiner wirklichen Bedeutung aus. Von allen kirchlichen Festen entzieht sich das Pfingsterlebnis dem unmittelbaren Zugriff, der Verfügbarkeit und „Machbarkeit“ des Menschen, denn zu Pfingsten feiern die Kirchen die Erfüllung und Ausgießung des Heiligen Geistes über die Jünger und Freunde Jesu, 50 Tage (7 Wochen) nach dem Osterfest. Diese Erfüllung und Stärkung mit dem Geist Gottes war den Jüngern Jesu durch ihren Herrn verheißen worden. Als Apostel (= wörtlich „Gesandte“) Jesu gab ihnen der auferstandene Herr den Auftrag: „Ihr werdet vom Geist Gottes erfüllt werden. Der Geist Gottes wird euch fähig machen, überall in der Welt als meine Zeugen aufzutreten, zunächst in Jerusalem und ganz Judäa, in Samarien und bis ans äußerste Ende der Erde ( Die Bibel nach der Übersetzung der „Guten Nachricht“, Apostelgeschichte, Kap. 1, Vers 8 ).
Diese Mission (wörtlich Sendung) weg aus ihrer vertrauten Umgebung hinterließ bei ihnen einen
bleibenden Eindruck und machte die Jünger Jesu damals durch die Erfüllung mit dem Geist Gottes fähig, Gottes Liebe und Zuwendung zu den Menschen um sie herum auszustrahlen, auch unter Leid und Verfolgung weiterzugeben in Wort und Tat und großer Freude, bis hierher in unsern Pfarrsprengel Glöwen-Schönhagen …
Wir Menschen möchten gern oft an dem festhalten, was „ist“, was wir erreicht haben:
Unsere Lebenseinstellung und Überzeugungen, Haus und Hof, unsere Familie und Freunde, unser Ein- und
Auskommen, Erfahrungen und Vorurteile auch, Orte und gemachte Erfahrungen; da sind wir „sicher“
vor unerwarteten Überraschungen und geschützt. Auch in der Kirche ist das oft nicht anders. Doch Gottes
guter, Heiliger Geist will auch heute noch bei uns Bewegung und Begegnung ermöglichen, dass wir nicht auf unserm Standpunkt beharren und auf dem Weg der Nachfolge stehenbleiben, sondern aufstehen und weitergehen, weil wir wissen: Gottes Geist hilft uns, er geht mit uns mit und gibt uns Kraft und Mut, mit der
„Guten Nachricht“ von der Liebe und Vergebung Gottes zu uns und allen Menschen uns selbst und andere überraschen und erfreuen zu lassen. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis bekennen und sprechen wir jeden Sonntag in den Gottesdiensten: „Ich glaube an den Heiligen Geist“. 
Wenn wir zu recht für die Worte „ich glaube“ an dieser Stelle die Worte „ich vertraue“ einsetzen, sind wir schon den ersten Schritt gegangen und können sagen / bekennen: „Ich vertraue dem Heiligen Geist“. Jemandem vertrauen zu können, das ist uns bekannt. 
Abraham, als er aus seiner Heimat fortzog, da glaubte  (= vertraute) er Gott, und machte sich mit seiner Hilfe und Leitung auf den Weg in ein ihm noch unbekanntes Land. Der Geist Gottes kommt bis zum heutigen Tage immer wieder zu den Menschen, er will sie und uns ermutigen und stärken, Leben schaffen und Segen, wo und wann Menschen sich seinem Wirken öffnen, sich überraschen und begeistern lassen. Er will die aufwecken, die mutlos und träge, ja die geist-los,  „von allen guten Geistern verlassen“ sind.
Ich wünsche uns allen ein gesegnetes Pfingstfest 2019, und unseren Konfirmanden eine schöne, ermutigende
„Pfingst-Konfirmation“.
 
    Ihr H. Menn