EVANGELISCHER PFARRSPRENGEL GLÖWEN-SCHÖNHAGEN
Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob

Grußwort

Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben
einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.  (Hebräer 13,2)
 Liebe Leserinnen und Leser!

Nein, mit Engeln, wie sie uns vorschweben, hatten sie erst einmal nicht viel gemein. Eher im Gegenteil. So wie Jugendliche nun mal sind: sie lärmen, lachen, stänkern, streiten sich auch ab und zu und gehorchen nie aufs Wort.
Herrlich, dieses frohe Jugendleben! Dann kamen mein Mann und ich im Jahr 1997 auf die verrückte Idee, mit 22 von diesen „Engeln“, also den Konfirmandinnen und Konfirmanden aus unseren beiden Prignitzer Sprengeln, eine Fahrradtour durch Mittelschweden zu unternehmen. Täglich an die 40 bis 50 km radeln und dann immer zu zweit im Zelt übernachten. Lagerfeuer, helle Nächte, Baden usw. Am nächsten Tag zusammenpacken, aufräumenund dann geht es weiter.
Mittelschweden ist weitläufig und dünn besiedelt. Da werden wir wohl nicht so viel mit den Einheimischen in Kontakt kommen. Das war der Plan.
Aber dann wurde die Fahrt zu einer Reise, in der wir eine unglaublich große Gastfreundschaft erlebt haben, ohne die wir nicht weitergekommen wären. Es regnete aus Eimern. Die Moral war am Boden. Eine Nacht in einem klatschnassen Zelt, das lässt man sich noch gefallen. Aber irgendwann geht es nicht mehr. Wir suchten auf Englisch und Deutsch nach Hilfe. Wo kann man ein trockenes Quartier für 22 Jugendliche plus zwei Betreuer finden? Zweimal kamen wir bei dem Pfarrer von Lidköping im Pfarrhaus unter. Er stellte uns einfach seinen Gemeinderaum zur Verfügung. Wenigstens die Klamotten zum Trocknen ausbreiten und nicht immer diesen Regen hören, der langsam durch die Zeltnähte tropfte…    Unvergessen, als er uns noch seine Kirche zeigte und wir um den Altar herum
„Zweige brechen viele aus einem Stamm…“ zweisprachig sangen – er auf Schwedisch, wir auf Deutsch.
Die Wolken verzogen sich am nächsten Morgen. Wir sattelten unsere Räder und weiter ging es auf unserer Tour. Doch dann gegen Nachmittag wieder Regen. Wir kamen in ein kleines Dorf, das keinen Pfarrer mehr hatte. Dafür aber ein Bürgerhaus, das im Erdgeschoss eine Sporthalle beherbergte, darüber die Büroräume für den Bürgermeister sowie eine Küche.
Und einen riesigen Wäschetrockner, in dem wohl sonst die Fußballtrikots getrocknet wurden. Man händigte uns einfach den Schlüssel aus: „Ihr könnt auf dem Turnhallenfußboden schlafen und eure Wäsche nach und nach trocknen. Macht’s gut!“
Wie oft haben wir diese Gastfreundschaft genossen. Ein Bauer hat sofort seinen Pferdeanhänger hinter den Volvo gespannt und einige, die körperlich am Ende waren, mit ihren Fahrrädern zur nächsten Station gefahren.
Mit einem anderen hat mein Mann die Suche nach zwei Mädchen erfolgreich absolviert, die irgendwie falsch abgebogen waren. In den weitläufigen Wäldern Mittelschwedens eine Sache von Zeit, Geduld und Glück!
Als alle wohlbehalten nach zehn Tagen wieder in der Prignitz angekommen waren und wir gefragt haben, was ihnen von der Reise in Erinnerung bleiben wird, so antworteten sie (neben den Abenteuern): die große Gastfreundschaft. Ob den freundlichen Schweden bewusst war, dass sie ab und an – vielleicht – einen Engel beherbergt haben, weiß ich natürlich nicht. Sie haben einfach ihre Türen und ihr Herz geöffnet.
Doch wenn die Jugendlichen für ihr Leben den Wert der Gastfreundschaft erkannt und bewahrt haben, dann ist viel gewonnen. Engel hin oder her.       Eine gesegnete Sommerzeit
wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Evelyn Frenzel